Sep 162022
 

Am Ostufer des Ammersees hat man einen wunderschönen Blick über das Wasser auf den Sonnenuntergang, der heute allerdings mit aufkommenden Gewitterwolken konkurrieren muss.

Es blitzt und donnert und ich sehe mich schon (wieder) im nassen Zelt davonschwimmen.

Aber das Gewitter sieht nördlich vorbei und ich kann in Ruhe schlafen gehen. Pustekuchen!! Neben meinem Zelt haben sich zwei alte VW-Campingbusse mit aufgestelltem Zwischenzelt niedergelassen. Mit dem Hund und seiner Besitzerin wechsle ich noch freundliche Worte aber dann komme ich nicht zur Ruhe. RRRUMS, na gut, Ohropax (obwohl es ansonsten still ist auf dem fast leeren Platz!) LACHEN, ok, gibt sich wohl, spätestens um 22:30, denke ich. Kaum eingeschlafen: RRUMS! Ich kenne das Geräusch, macht mein VW-Bus auch: die Schiebetür! Alle paar Minuten werde ich aufgeschreckt. Endlich raffe ich mich auf und bitte um Ruhe. "Oh, ist die so laut? Das wussten wir gar nicht! Die geht aber nicht leise zu ...." GGGGRRRR ...

Um einer morgendlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen, fahre ich um 7:45 los ... und frühstücke ausnahmsweise mal bei einem der Läden mit dem gelben "M". Da stelle ich fest, dass sich mein Telefon nicht laden lässt und der Akkustand in 10 Minuten von 60 auf 5% fällt. Das hatte ich doch schon einmal! In Schweden bei meiner vorletzten Tour. Damals hab ich mir ein neues Handy gekauft, und habe dieses später "reparieren" lassen. Mit Erfolg, wie man sieht. 🙁 . Jedenfalls habe ich jetzt nur noch mein Garmin-Navi, mit dem ich aber ohne Handyverbindung ziemlich auf Kriegsfuß stehe. Aber nach Moosach schaff ich es noch ....

Ein Fön hilft beim Trocknen der Ladebuchse und Strom fließt wieder hinein.

Ein Besuch der Regattastrecke in Oberschleißheim gibt mir Gelegenheit, sowohl einem Kayaktraining meines Sohnes als auch einem von der Firma "Jochen Schweizer" angebotenen Bungee-Jumping zusehen zu können.

(c) Jochen Schweizer

Triathlon in der City

Ein Ausflug in die Innenstadt von München am nächsten Tag führt mich am Olympiazentrum vorbei und ich lasse mich anlocken von den Aktivitäten: es findet gerade ein Triathlon mitten in der Stadt statt! Es handelt sich um den "Super League Triathlon 2022" mit einem ungewöhnlichen Format:

"Distanzen : 0,3 km; 3,6 km; 1,9 km im Enduro-Format: Es werden 3x in Serie ohne Unterbrechung 300 Schwimmen, 4 km Radfahren und 1,6 km Laufen absolviert. Wer 90 Sekunden hinter der Spitze liegt wird aus dem Rennen genommen!" (Bilder am Ende!)

Spannend anzusehen, da alles auf engstem Raum stattfindet und die Wechselzone auf die Art eine echte Auslastung erfährt!!

Das Olympiagelände ...

Plötzlich wackelt mein Hinterrad am Reiserad, und ich stelle fest, dass sich die Spannschraube gelöst hat. Das Rad hängt zwar noch einigermaßen gerade, ruckt aber bei jedem Bremsen. Also breche ich meinen Stadtausflug ab und radele wieder nach Moosach, denn der Werkzeugbeutel ist natürlich nicht bei mir ....

Eine Stadtrundfahrt am Montag auf dem Weg zum Bahnhof bringt mich an das Gelände der Wies'n, der Theresienwiese. Hier findet in einer Woche die Eröffnung nach der Coronapause statt und ich darf "beim Aufbauen zuschauen" .)

So, und dann kommt nur noch die Rückfahrt mit der DB, einem EuroCityExpress, dem einzigen Zug laut Fahrplan, in dem noch ein Stellplatz fürs Rad zu ergattern war.

Rheintour rückwärts ...

Es ist interessant, meine Rheintour im Schnelldurchlauf per Bahn noch einmal rückwärts ablaufen zu lassen, da die Bahn die Rheinschiene nach Köln fährt.

7 Stunden per Bahn, und dann haben Frau und Haustiere mich wieder ...

Sep 092022
 

Donnerstag geht es in Lindau los ins hügelige Allgäu. Lindau bis Ottobeuren sind 78 km mit rund 800Hm und auch wenn es viele anstrengende Anstiege sind, so sind sie doch abwechslungsreich mit rasanten Abfahrten durchsetzt und die Beine können sich erholen.

Bereits in Wangen komme ich in der wunderschönen Altstadt am "Sauplatz" mit einem Ehepaar ins Gespräch, das die "Allgäurunde" mit Bio-Mountainbikes fährt, heutzutage durchaus eine Seltenheit in unserer von sich ändernder Alterspyramide, fortschreitender technischer Entwicklung und viel Kaufkraft geprägten Zeit. Und auch diese beiden freuen sich auf den Ruhestand und werden sich dann mit E-Bikes auf die Touren begeben. Nach den beiden Tagen, die mir an dieser Stelle noch bevorstehen, kann ich mir das ebenfalls vorstellen 🙂

Rechtfertigungsnöte beim Zelttrocknen

Da ich meine komplett nassen Sachen (Zelt und Kleidung) eingepackt habe, bin ich froh, als ich Sonnenschein gegen Mittag an einem Kneipp-Platz vorbeikomme, der sehr abgelegen scheint, und breite meine Zeltplanen über Tisch und Bänke aus. Kaum gemacht, kommt der erste Kneippwanderer vorbei, zieht sich aus und ich muss meine schändliche Verunglimpfung der Anlage rechtfertigen. Und so geht es weiter, bis ich nach der dritten Rechtfertigungsrede endlich alles trocken habe und erleichtert weiterfahren kann. Am Ende der Tagesetappe erwartet mich die eindrucksvolle Basilika von Ottobeuren.

Ottobeuren: Ein CP mit mutigen Betreibern

Seit 4 Jahren betreibt das Ehepaar den neu erbauten Campingplatz offenbar mit Erfolg. Im Waschraum entdecke ich das "Konzeptpapier" hinter dem Platz:

Das Konzept des CP in Ottobeuren

Neben Solarthermie und einer Pelletheizung hat der Bauherr einen 100.000 l- Wasserspeicher im Keller installiert, wobei er eine Betonwanne mit Schwimmbeckenfolie ausgekleidet hat. Dieses Wasser wird ebenfalls von Sonnenenergie gespeichert und über einen Betonkern als Hausheizung verwendet. Auf Nachfrage sagt mir der Eigentümer, dass die Anlage in 4 Wintern ihr Soll zu über 100% erfüllt und die Pelletheizung so gut wie gar nicht verwendet werden musste. Chapeau für diesen innovativen Mut.

Eine sonderbare Idee der beiden Betreiber muss ich aber noch erwähnen. Sie werben damit, dass auf ihrem Platz nur "GRANDER belebtes Wasser" verwendet wird. Wenn macht nachschaut, wird diese esoterische Richtung (die wohl aus dem Kneippschen Gedankengut kommt) von der Naturwissenschaft doch sehr negativ bewertet. Nun, jedem das Seine.

Ottobeuren bis zum Ammersee

Weiter geht es durch das Allgäu mit seinen vielen Bauernhöfen ("Meine Mädels und ich geben alles für Ihren Latte Macchiato") ....und den ups and downs.

In Bad Wörishofen (dem Zentrum der Kneippschen Anwendungskultur) besuche ich den Park mit seinen wunderschönen Anlagen zur Sinneswahrnehmung. Der Geruchspark hat es mir mit seinen verschiedenen, nach Geruchstypen angeordneten Pflanzen angetan und lädt zu einer ausgiebigen Fotosession ein. Den Barfußgang nutze ich nur eine Viertelstunde, um mein Rad nicht zu lange aus den Augen zu lassen, auch wenn hier die Menschen sicher nicht auf dumme Gedanken kommen ....

Ammersee

Nach einer Zwischenpause in Landsberg am Lech mit seinem Wasserfall und steilen Altstadt endet der Tag auf dem CP Baumann in Buch am Ammersee, einer Bootswerft und Slipanlage mit angegliedertem CP. Die Anfahrt zum See ist steil, ein Restaurant gibt es nicht, also muss ich zum Essen den steilen Berg wieder hoch. Morgen geht es nach München.

Sep 072022
 

... und ein sehr intensiver Tag! Wecken um 6, Fahrt nach Zürich Flughafen mit Klaus-Peter, Bahn nach Flawil, Ankunft um 10. Bloggen bis 11:30, leckeres Essen von Sylvio mit Reis, Salat und Fisch, Abschiednehmen und Abfahrt um 13:00 und dann ..... die Essenz des Radreisens: Dahingleiten, Weg suchen, und Durchatmen! Dieser Satz, Sylvio, geht auf Deine letzte Bemerkung zurück :).

Heute steht eine Fahrt von Flawil / St. Gallen an den Bodensee auf dem Programm und es stellt sich schnell heraus, dass die Strecke städtisch geprägt ist. Die Fahrt ist zwar mehrheitlich bergab Richtung See, aber an einer Stelle "hintergeht" mich Komoot so ernsthaft, dass ich fast meine bisherigen Liebeserklärungen an das Programm zurücknehmen möchte!

Hinter Rorschach will mich das "blöde" Programm, etwas Strecke zu sparen, eine 12% - Steigung über 2 Kilometer hochschicken. Der Fehler kostet mich 250 Kalorien, ein wenig Unmut und 10 Minuten .... 🙂

Ein Weizenbier in Bregenz entschädigt mich adäquat und dann geht es auf den CP bei Lindau auf der deutschen Seite.

Heute steht noch die erste Nacht im neuen Zelt an. Ich bin gespannt - ein wunderschöner Tag!

Sep 072022
 

Diese Woche (1.9.bis 6.9) kommt so manches anders als geplant und daher auch die "Funkstille" des Bloggers ...

Der Montag beschert eine höhenmeterreiche Tour von Neuenburg am Rhein über Lörrach und Bad Säckingen bis Murg am Rhein, wobei ich Basel rechts liegen lasse und mich auf dem "Römerradweg" über die Berge quäle, bis ich bei Murg wieder auf den Rhein treffe und mich an einem Naturcampingplatz mit Bootsverleih niederlasse.

müde Beine

Hir treffe ich auf 2 Gravelbikefahrer mit Minigepäck, die auf dem Weg nach Schaffhausen sind. Es wird ein unterhaltsamer Abend, auch deshalb, weil einer von ihnen vor dem Studium als Fahrradmechaniker gearbeitet hat und anekdotenreich davon erzählt.

Am nächsten Morgen quere ich mehrfach den Rhein und sehe von Weitem schon das größte, 1984 erbaute und damit jüngste AKW der Schweiz bei Leibstadt am Rhein. Seit eine Volksabstimmung 2017 ergab, dass die Schweiz keine neuen AKW mehr bauen wird, ist beschlossen, dass 2045 dieses jüngste Kraftwerk als Letztes abgeschaltet wird ....

Jüngstes Schweizer AKW

Über Bad Zurzach komme ich nach Winterthur und finde den CP "Schützenweiher", den ich nach dem Zeltaufbau schnell verlasse, um im benachbarten Einkaufszentrum Schutz vor dem einsetzenden und anhaltenden Regen suche. Der Kontrast zwischen der sauberen und geordneten "Zivilisation" und dem lotterlichen Campingleben trifft mich immer wieder wie ein kleiner Schock, verbunden mit dem Gefühl, als Alien in einem anderen Universum aufzuwachen. 🙂

Überraschung!!

Kommunikation hat bekanntlich ihre Tücken und dieses mal hat der Missverständnisteufel dazu geführt, dass Sylvio - mit dem ich von der Schweiz über die Alpen zum Gardasee fahren will - mir offenbart, dass er von kommendem Jahr ausgegangen ist und jetzt gar keinen Urlaub hat! Welch Überraschung!

Alles hat zwei Seiten

Während des Abbaus meines EXPED Orion 2 - Zeltes am nächsten Morgen fällt mir wieder einmal auf, dass die Zeltstangen in ihrem Aufnahmestoff nicht mehr richtig gleiten, und aufgewölbte und angebrochene Alukanten drohen, den Zeltstoff zu perforieren. Als ich am Nachmittag in Flawil, dem Wohnort von Sylvio, das nasse Zelt um Trocknen aufbauen will, passiert es: Eine Stange bricht endgültig durch! Welch ein Glück, dass mir das hier und jetzt passiert, sonst hätte ich nicht mehr Zelten können!

Sylvio als gelernter Handwerker bemüht sich redlich und sehr geschickt, mit einer Kupferhülse den Schaden notdürftig zu reparieren, aber mir ist klar, dass ich so nicht weiterfahren kann. Mir wirderstrebt es, das Zelt aufzugeben und ich brauche wohl nur von EXPED neue Stangen, diese lassen sich aber nicht innerhalb einiger Tage besorgen, also beschließe ich, das Orion mit ein paar anderen Gegenständen nach Hause zu schicken und mir am Montag in St. Gallen ein neues Zelt zu kaufen.

Reparieren Stangenelement

Sylvio und sein Familie nehmen mich herzlich auf und mein Aufenthalt über fast drei Tage gibt mir einen guten Einblick in das Familienleben im aufgeräumten und wohlgeordneten Schweizerland.

Am Sonntag unternehmen wir zu zweit einen Ausflug per Bahn nach St. Gallen, um die sehr gepflegte Altstadt, die zentrale Kirche und die vielen für das Stadtbild typischen Erker an den Sadthäusern zu fotografieren.

Sylvio lässt uns mit seiner Zugangskarte in das Bürogebäude seines Arbetgebers und von hoch oben haben wir einen weiten Blick über die Stadt und das Tal. Beeindruckend ist der künstlerisch gestaltete "Rote Platz" im Zentrum.

Wir setzen den Rundgang fort und am Gallusplatz spricht uns eine junge Dame an, ebenfalls mit Kamera in der Hand und fragt, ob wir gemeinsam auf die Pirsch nach guten Bildern gehen wollen ... Wir haben nichts dagegen und es entwickelt sich ein nettes Gespräch über Fotografieren und es stellt sich heraus, dass Janine als Tochter eines Spenglers zurzeit PV-Anlagen auf Dächern installiert, was ihr sehr viel Spaß bereitet.

Am darauffolgenden Montag (5.9.) fahre ich mir Sylvio die Sportfachgeschäfte in St. Gallen ab, und es sind, wie erwartet, keine Ersatzstangen für das EXPED-Zelt zu bekommen. Ich entscheide mich für das "Tamaro Lightweight Carbon 2" der Marke "46Nord" mit einem Gewicht von nur 1,4 kg zu dem Midrange Preis von 380 Franken. Tja, alles etwas teurer hier und dann ist in letzter Zeit der Franken auch noch immer stärker gegen den Euro geworden. Pech gehabt. Wie sich das neue Zelt mit seinen etwas kleineren Maßen gegenüber dem EXPED bewähren wird, werde ich in den kommenden Tagen sehen, zumal es in dieser Woche regnen wird ....

Am Dienstag fahre ich mit der Bahn nach Zug, um Verwandte zu besuchen und staune sowohl über die unglaubliche Pünktlichkeit der Schweizer Bahn einerseits und die exorbitanten Einzelfahrpreise ebenderselben andererseits. Aber als mich Schwägerin Regina vom Bahnhof abholt, ist "alles wieder gut" und wir verbringen einen unterhaltsamen Abend in der schicken Wohnung in Menzingen.

Am Mittwoch (7.9.) fahre ich zurück nach Flawil wo mein Fahrrad und ein letztes Mittagessen bei Sylvio und Nathalie auf mich warten und setze meine Reise (anders) fort.

Ein neuer Reiseplan

Nachdem es nun keinen Grund mehr gibt, mich zweimal über die Pässe der Alpen zu quälen :), habe ich beschlossen, meine Tour über den von anderen Radreisenden als "wunderschön" gewerteten Radreiseweg von Lindau am Bodensee bis zum Königssee fortzusetzen mit der Option, bei zu nassem Wetter in Richtung München nach Norden abzubiegen. Ya veremos!

Und weiter geht's!