Sep 162022
 

Nase oder Auge? Oder doch das Ohr? Welches unserer Organe kann differenzierter wahrnehmen? Düfte beeinflussen unser Leben, oft - und meistens! - unbewusst. Selbst im Schlaf riechen wir. Lange meinten Wissenschaftler, wir könnten etwa 10.000 unterschiedliche Gerüche wahrnehmen. Aber in Wahrheit liegt diese Zahl um Größenordnungen darüber: Eine Billion verschiedene Gerüche, und damit mehr als visuelle und akustische Signale können wir Menschen differenzieren!

Wir alle wissen, dass Gerüche Assoziationen und konkrete Erinnerungen an Erlebnisse auch aus der Kindheit auslösen können - und auch regelmäßig tun, ob wir uns dessen bewusst sind, oder nicht. Eine Reise in die Orte der Vergangenheit (bei mir persönlich war es eine Rückkehr nach Jahrzehnten in den Libanon, dem Land meiner Kindheit), kann intensive Erinnerungen auslösen, die so überraschend und überwältigend sind, dass man sich plötzlich in eine längst vergessene Zeit versetzt fühlt.

Und wo kann man die oben erwähnte Vielfalt besser wahrnehmen, als im Aromaduftgarten in Bad Wörishofen?

Diese Stadt gilt als Zentrum der "Kneipp-Kultur" mit Anlehnung an Pfarrer Sebastian Kneipp, der 1897 in Wörishofen verstarb (Sebastian Kneipp – Wikipedia). Seine wasserbasierte Naturheilkunde ist mit Sicherheit auf physikalischer und auch psychischer Ebene eine Wohltat für die Menschheit! Vor allem , wenn man bedenkt, dass die sich ständig beschleunigende Zivilisation eine Rückkehr zu elementaren, langsamen und grundlegenden Entspannungs- und Heilungsmethoden heute mehr denn je gefragt ist.

Und bereits während ich durch den Park mit seinen unglaublich vielfältigen Ideen zur Naturerkundung geschlendert bin, habe ich mir die Frage gestellt, warum ich

a) mich nicht "traue", mein Rad für längere Zeit aus den Augen zu lassen und

b) mich nicht einfach dem "Barfußpfad" durch diesen wunderbaren Park überlasse und

c) statt dessen versuche, innerhalb nur einer Stunde möglichst viele Eindrücke dieser großen Vielfalt zu "erriechen" und zu fotografieren (anderes Thema ...)

Nichtsdestotrotz sind mir einige wunderschöne Impressionen gelungen, die ich hier auch zeigen möchte.

Sollte ich mal "alt" werden, bietet sich ein laaaanger Aufenthalt in Bad Wörishofen wirklich an. So, und jetzt die Fotostrecke aus dem Park in Bad Wörishofen. Zu beachten sind insbesondere die Fotos von der "Skorpionfliege", dem Insekt des Jahres von 2018. Eine schöne Begegnung!

Sep 162022
 

Am Ostufer des Ammersees hat man einen wunderschönen Blick über das Wasser auf den Sonnenuntergang, der heute allerdings mit aufkommenden Gewitterwolken konkurrieren muss.

Es blitzt und donnert und ich sehe mich schon (wieder) im nassen Zelt davonschwimmen.

Aber das Gewitter sieht nördlich vorbei und ich kann in Ruhe schlafen gehen. Pustekuchen!! Neben meinem Zelt haben sich zwei alte VW-Campingbusse mit aufgestelltem Zwischenzelt niedergelassen. Mit dem Hund und seiner Besitzerin wechsle ich noch freundliche Worte aber dann komme ich nicht zur Ruhe. RRRUMS, na gut, Ohropax (obwohl es ansonsten still ist auf dem fast leeren Platz!) LACHEN, ok, gibt sich wohl, spätestens um 22:30, denke ich. Kaum eingeschlafen: RRUMS! Ich kenne das Geräusch, macht mein VW-Bus auch: die Schiebetür! Alle paar Minuten werde ich aufgeschreckt. Endlich raffe ich mich auf und bitte um Ruhe. "Oh, ist die so laut? Das wussten wir gar nicht! Die geht aber nicht leise zu ...." GGGGRRRR ...

Um einer morgendlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen, fahre ich um 7:45 los ... und frühstücke ausnahmsweise mal bei einem der Läden mit dem gelben "M". Da stelle ich fest, dass sich mein Telefon nicht laden lässt und der Akkustand in 10 Minuten von 60 auf 5% fällt. Das hatte ich doch schon einmal! In Schweden bei meiner vorletzten Tour. Damals hab ich mir ein neues Handy gekauft, und habe dieses später "reparieren" lassen. Mit Erfolg, wie man sieht. 🙁 . Jedenfalls habe ich jetzt nur noch mein Garmin-Navi, mit dem ich aber ohne Handyverbindung ziemlich auf Kriegsfuß stehe. Aber nach Moosach schaff ich es noch ....

Ein Fön hilft beim Trocknen der Ladebuchse und Strom fließt wieder hinein.

Ein Besuch der Regattastrecke in Oberschleißheim gibt mir Gelegenheit, sowohl einem Kayaktraining meines Sohnes als auch einem von der Firma "Jochen Schweizer" angebotenen Bungee-Jumping zusehen zu können.

(c) Jochen Schweizer

Triathlon in der City

Ein Ausflug in die Innenstadt von München am nächsten Tag führt mich am Olympiazentrum vorbei und ich lasse mich anlocken von den Aktivitäten: es findet gerade ein Triathlon mitten in der Stadt statt! Es handelt sich um den "Super League Triathlon 2022" mit einem ungewöhnlichen Format:

"Distanzen : 0,3 km; 3,6 km; 1,9 km im Enduro-Format: Es werden 3x in Serie ohne Unterbrechung 300 Schwimmen, 4 km Radfahren und 1,6 km Laufen absolviert. Wer 90 Sekunden hinter der Spitze liegt wird aus dem Rennen genommen!" (Bilder am Ende!)

Spannend anzusehen, da alles auf engstem Raum stattfindet und die Wechselzone auf die Art eine echte Auslastung erfährt!!

Das Olympiagelände ...

Plötzlich wackelt mein Hinterrad am Reiserad, und ich stelle fest, dass sich die Spannschraube gelöst hat. Das Rad hängt zwar noch einigermaßen gerade, ruckt aber bei jedem Bremsen. Also breche ich meinen Stadtausflug ab und radele wieder nach Moosach, denn der Werkzeugbeutel ist natürlich nicht bei mir ....

Eine Stadtrundfahrt am Montag auf dem Weg zum Bahnhof bringt mich an das Gelände der Wies'n, der Theresienwiese. Hier findet in einer Woche die Eröffnung nach der Coronapause statt und ich darf "beim Aufbauen zuschauen" .)

So, und dann kommt nur noch die Rückfahrt mit der DB, einem EuroCityExpress, dem einzigen Zug laut Fahrplan, in dem noch ein Stellplatz fürs Rad zu ergattern war.

Rheintour rückwärts ...

Es ist interessant, meine Rheintour im Schnelldurchlauf per Bahn noch einmal rückwärts ablaufen zu lassen, da die Bahn die Rheinschiene nach Köln fährt.

7 Stunden per Bahn, und dann haben Frau und Haustiere mich wieder ...

Sep 092022
 

Donnerstag geht es in Lindau los ins hügelige Allgäu. Lindau bis Ottobeuren sind 78 km mit rund 800Hm und auch wenn es viele anstrengende Anstiege sind, so sind sie doch abwechslungsreich mit rasanten Abfahrten durchsetzt und die Beine können sich erholen.

Bereits in Wangen komme ich in der wunderschönen Altstadt am "Sauplatz" mit einem Ehepaar ins Gespräch, das die "Allgäurunde" mit Bio-Mountainbikes fährt, heutzutage durchaus eine Seltenheit in unserer von sich ändernder Alterspyramide, fortschreitender technischer Entwicklung und viel Kaufkraft geprägten Zeit. Und auch diese beiden freuen sich auf den Ruhestand und werden sich dann mit E-Bikes auf die Touren begeben. Nach den beiden Tagen, die mir an dieser Stelle noch bevorstehen, kann ich mir das ebenfalls vorstellen 🙂

Rechtfertigungsnöte beim Zelttrocknen

Da ich meine komplett nassen Sachen (Zelt und Kleidung) eingepackt habe, bin ich froh, als ich Sonnenschein gegen Mittag an einem Kneipp-Platz vorbeikomme, der sehr abgelegen scheint, und breite meine Zeltplanen über Tisch und Bänke aus. Kaum gemacht, kommt der erste Kneippwanderer vorbei, zieht sich aus und ich muss meine schändliche Verunglimpfung der Anlage rechtfertigen. Und so geht es weiter, bis ich nach der dritten Rechtfertigungsrede endlich alles trocken habe und erleichtert weiterfahren kann. Am Ende der Tagesetappe erwartet mich die eindrucksvolle Basilika von Ottobeuren.

Ottobeuren: Ein CP mit mutigen Betreibern

Seit 4 Jahren betreibt das Ehepaar den neu erbauten Campingplatz offenbar mit Erfolg. Im Waschraum entdecke ich das "Konzeptpapier" hinter dem Platz:

Das Konzept des CP in Ottobeuren

Neben Solarthermie und einer Pelletheizung hat der Bauherr einen 100.000 l- Wasserspeicher im Keller installiert, wobei er eine Betonwanne mit Schwimmbeckenfolie ausgekleidet hat. Dieses Wasser wird ebenfalls von Sonnenenergie gespeichert und über einen Betonkern als Hausheizung verwendet. Auf Nachfrage sagt mir der Eigentümer, dass die Anlage in 4 Wintern ihr Soll zu über 100% erfüllt und die Pelletheizung so gut wie gar nicht verwendet werden musste. Chapeau für diesen innovativen Mut.

Eine sonderbare Idee der beiden Betreiber muss ich aber noch erwähnen. Sie werben damit, dass auf ihrem Platz nur "GRANDER belebtes Wasser" verwendet wird. Wenn macht nachschaut, wird diese esoterische Richtung (die wohl aus dem Kneippschen Gedankengut kommt) von der Naturwissenschaft doch sehr negativ bewertet. Nun, jedem das Seine.

Ottobeuren bis zum Ammersee

Weiter geht es durch das Allgäu mit seinen vielen Bauernhöfen ("Meine Mädels und ich geben alles für Ihren Latte Macchiato") ....und den ups and downs.

In Bad Wörishofen (dem Zentrum der Kneippschen Anwendungskultur) besuche ich den Park mit seinen wunderschönen Anlagen zur Sinneswahrnehmung. Der Geruchspark hat es mir mit seinen verschiedenen, nach Geruchstypen angeordneten Pflanzen angetan und lädt zu einer ausgiebigen Fotosession ein. Den Barfußgang nutze ich nur eine Viertelstunde, um mein Rad nicht zu lange aus den Augen zu lassen, auch wenn hier die Menschen sicher nicht auf dumme Gedanken kommen ....

Ammersee

Nach einer Zwischenpause in Landsberg am Lech mit seinem Wasserfall und steilen Altstadt endet der Tag auf dem CP Baumann in Buch am Ammersee, einer Bootswerft und Slipanlage mit angegliedertem CP. Die Anfahrt zum See ist steil, ein Restaurant gibt es nicht, also muss ich zum Essen den steilen Berg wieder hoch. Morgen geht es nach München.