Sep 092022
 

Donnerstag geht es in Lindau los ins hügelige Allgäu. Lindau bis Ottobeuren sind 78 km mit rund 800Hm und auch wenn es viele anstrengende Anstiege sind, so sind sie doch abwechslungsreich mit rasanten Abfahrten durchsetzt und die Beine können sich erholen.

Bereits in Wangen komme ich in der wunderschönen Altstadt am "Sauplatz" mit einem Ehepaar ins Gespräch, das die "Allgäurunde" mit Bio-Mountainbikes fährt, heutzutage durchaus eine Seltenheit in unserer von sich ändernder Alterspyramide, fortschreitender technischer Entwicklung und viel Kaufkraft geprägten Zeit. Und auch diese beiden freuen sich auf den Ruhestand und werden sich dann mit E-Bikes auf die Touren begeben. Nach den beiden Tagen, die mir an dieser Stelle noch bevorstehen, kann ich mir das ebenfalls vorstellen 🙂

Rechtfertigungsnöte beim Zelttrocknen

Da ich meine komplett nassen Sachen (Zelt und Kleidung) eingepackt habe, bin ich froh, als ich Sonnenschein gegen Mittag an einem Kneipp-Platz vorbeikomme, der sehr abgelegen scheint, und breite meine Zeltplanen über Tisch und Bänke aus. Kaum gemacht, kommt der erste Kneippwanderer vorbei, zieht sich aus und ich muss meine schändliche Verunglimpfung der Anlage rechtfertigen. Und so geht es weiter, bis ich nach der dritten Rechtfertigungsrede endlich alles trocken habe und erleichtert weiterfahren kann. Am Ende der Tagesetappe erwartet mich die eindrucksvolle Basilika von Ottobeuren.

Ottobeuren: Ein CP mit mutigen Betreibern

Seit 4 Jahren betreibt das Ehepaar den neu erbauten Campingplatz offenbar mit Erfolg. Im Waschraum entdecke ich das "Konzeptpapier" hinter dem Platz:

Das Konzept des CP in Ottobeuren

Neben Solarthermie und einer Pelletheizung hat der Bauherr einen 100.000 l- Wasserspeicher im Keller installiert, wobei er eine Betonwanne mit Schwimmbeckenfolie ausgekleidet hat. Dieses Wasser wird ebenfalls von Sonnenenergie gespeichert und über einen Betonkern als Hausheizung verwendet. Auf Nachfrage sagt mir der Eigentümer, dass die Anlage in 4 Wintern ihr Soll zu über 100% erfüllt und die Pelletheizung so gut wie gar nicht verwendet werden musste. Chapeau für diesen innovativen Mut.

Eine sonderbare Idee der beiden Betreiber muss ich aber noch erwähnen. Sie werben damit, dass auf ihrem Platz nur "GRANDER belebtes Wasser" verwendet wird. Wenn macht nachschaut, wird diese esoterische Richtung (die wohl aus dem Kneippschen Gedankengut kommt) von der Naturwissenschaft doch sehr negativ bewertet. Nun, jedem das Seine.

Ottobeuren bis zum Ammersee

Weiter geht es durch das Allgäu mit seinen vielen Bauernhöfen ("Meine Mädels und ich geben alles für Ihren Latte Macchiato") ....und den ups and downs.

In Bad Wörishofen (dem Zentrum der Kneippschen Anwendungskultur) besuche ich den Park mit seinen wunderschönen Anlagen zur Sinneswahrnehmung. Der Geruchspark hat es mir mit seinen verschiedenen, nach Geruchstypen angeordneten Pflanzen angetan und lädt zu einer ausgiebigen Fotosession ein. Den Barfußgang nutze ich nur eine Viertelstunde, um mein Rad nicht zu lange aus den Augen zu lassen, auch wenn hier die Menschen sicher nicht auf dumme Gedanken kommen ....

Ammersee

Nach einer Zwischenpause in Landsberg am Lech mit seinem Wasserfall und steilen Altstadt endet der Tag auf dem CP Baumann in Buch am Ammersee, einer Bootswerft und Slipanlage mit angegliedertem CP. Die Anfahrt zum See ist steil, ein Restaurant gibt es nicht, also muss ich zum Essen den steilen Berg wieder hoch. Morgen geht es nach München.

  2 Responses to “Zwei Tage im Allgäu”

  1. René, du warst ja auch so was wie ein Kneippwanderer, oder?
    Dann hattest du allen Anspruch auf den Platz 😉
    Gruss Sylvio

    • Hi Sylvio, wenn du mit „Kneippwanderer“ jemanden meinst, der bis über die Ohren ständig im Wasser sitzt, hockt, liegt oder radelt, dann liegst Du goldrichtig!! 🙂
      Grüße

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