Jun 252022
 
BOB-Anhänger mit Wasserspur

Abwägung tut Not

Abgestellt ...

Der "Beast-of-Burden" BOB Anhänger ist bei mir zum ersten mal im Einsatz. Die 4 Packtaschen (Meist von Ortlieb) haben bisher gut gedient und das System hat klare Vorteile. Jede Tasche hat ihre Funktion: Küche, Elektrik, Zelt mit Schlafzimmer und Klamotten, alles hat seinen Platz und bei Disziplin - die sich meist notgedrungen erst nach einiger Zeit einstellt - auch seinen "Geschwindigkeitsvorteil" beim Ein- und Auspacken.

Nun kommt die Physik ins Spiel.

Wenn man die gesamte Zuladung am bzw auf dem Fahrrad bewegt, wird jede Auf- und Abbewegung die gesamte Masse bewegen müssen. Alle Kilos werden also von jedem Steinchen oder Ast auf und ab bewegt. Und das belastet den Rahmen, die Gepäckhalterungen durchaus mehr, als ein Hänger. Beim Anhänger wird die Masse zwar insgesamt auch bewegt - in die Horizontale und die Vertikale - aber durch das (gefederte) Rad und die Drehachse der Aufhängung (beim BOB mit Rollen auf der Steckachse) ist eine viel größere Laufruhe zu erwarten und durchaus spürbar.

Auf Straße und Schotter ist das Fahrrad deutlich ruhiger, auch wenn man die zu bewegende Masse in den Beinen natürlich genauso merkt wie im 4-Taschen-System.

Der BOB hat vier Aufnahmegewinde für Flaschenhalter, bei der großen Variante also 4 x 1,5, Liter = 6 Liter, und das zusätzlich zu den Haltern am Rad. Wer's braucht! Mir ist heute allerdings eine Flasche im Halter umgekippt und hat ihren Inhalt über 10 Meter ergossen. Tja, wer die Flasche nicht richtig befestigt, wird eben erst aus Schaden klug!

Das Abstellen des Rades mit Hänger bedarf einiger Übung: Beide Hängerseiten haben unten eine Kunststoffablage, auf der der Hänger in einem ca. 80 Grad-Winkel zum Rad gut aufliegt, ob mit oder ohne Radständer. Den kann man in dieser Kombination also zu Hause lassen. 🙂

Nachteile:

  • Der Wendekreis des Rades ist deutlich vergrößert. Das macht sich immer dann bemerkbar, wenn man auf schmaler Piste umdrehen muss, weil man sich entweder verfahren hat oder doch noch ein schnelles Foto von der gerade passierten architektonischen Besonderheit machen möchte.
  • Der große Packsack muss gut strukturiert werden, sonst findet man nichts. Ich habe die bereits erwähnten Funktionen "Küche", "Elektrik" und "Klamotten" in leichte und transparente Säcke unterteilt. Das hat allerdings den Nachteil gegenüber einer "losen" Verstauung", dass man das Volumen nicht so engmaschig ausnutzen kann. Wie man den Bildern entnehmen kann, habe ich außer dem Hänger noch eine Ortlieb Office-Tasche und eine (kleine) Ortlieb Frontroller dabei. Hintergrund: Für eine lange Tour mit Fotoausrüstung nutze ich die Office-Tasche mit einer gut gefederten Einlage für meine Sony Alpha 7 samt Zubehör und die (fast leere) Frontroller als "Elektro"-Tasche und für den abendlichen Einkauf - denn - und damit komme ich zum nächsten "Problem":
  • Muss man an den Inhalt - nehmen wir an, du brauchst das Taschenmesser, um einen Apfel zu schneiden - dann ist es recht mühsam, die riesige Tasche zu öffnen, weil man dafür einen Teil des Gewichts anheben muss, um die Endverschlüsse zu erreichen. Das ist mit dem 4-Taschen-System nicht so aufwendig.
  • Ich hatte Glück mit dem Wetter, ABER: wenn es richtig nass ist und das über mehrere Tage, dann kann man nicht das nasse Zelt vom Rest trennen! Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich die Nässe auf alle anderen mühsam trocken gehaltenen Kleidungsstücke überträgt, wenn man das nass verpackte Zelt in dieselbe Tasche stopft!! Abhilfe würde eine zusätzliche wasserdichte Hülle für das Zelt schaffen, aber das ist dann wieder ein Gepäckstück mehr.

Fazit

Gute Fahrlage dank des eigenen Laufrades und geringere Belastung während Fahrten im holperigen Gelände stehen auf der Haben-Seite und umständlicheres "Handling" (außer bei konstant trockenem Wetter und einem Hang zum "persönlich geliebten Chaos") stehen dagegen.

Folglich kann ich keine Empfehlung abgeben, jeder muss selbst herausfinden, welcher Packmodus ihm oder ihr am besten zusagt.

Seht es als Aufforderung, mit wachen Augen und viel Spaß selber einen Test durchzuführen!

Der BOB am Dortmund-Ems-Kanal
Reiserad mit BOB
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  One Response to “Zwischenfazit BOB-Anhänger”

  1. Hallo René
    Was ist dein persönlicher Favorit Bob oder 4 Packtachen? Auf den Bildern sehe ich quasi von beiden etwas. Trotz Bob hast du auch Packtaschen ( aus oben erwähnten Gründen). Dann dünkt mir der Vorteil des Bobs wieder relativiert. Ich hatte mir einen Anänger (leichtgewicht und zusammenlegbar!) selber gebaut mit Teilen u.a. von Hinterher.com, Ich stelle mir auch vor einen 2 rädrigen leichtgewichtigen zu nutzen. der in einem Packsack verschwinden kann samt Gepäck und so mit ÖV keine Probleme darstellt. Mit dem kann ich das Zelt das tarp, die Küche und einen Hocker locker transportieren, sensiblere dann am Rad! Der Bob ist zwar geländetauglicher aber der 2 rädrige weniger problematisch beim Parkieren!
    ABer wi due schon richtig bemerkst, jder muss dass für sich herausfinden!

    Gruss Sylvio

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