Apr 272016
 
  Ein Exkurs zur Vorstellung einer neuen Robotergeneration mit dem Namen FRANKA EMIKA. Auf der Hannovermesse dieses Jahres wurde ich gestern Zeuge einer höchst interessanten Entwicklung im Bereich "robotics". Als jemand, der nicht als Ingenieur oder Fabrikant oder Naturwissenschaftler tätig ist, bin ich eigentlich völlig ungeeignet, die technologischen Entwicklungssprünge in einem so stark technischen und produktionsorientierten Bereich wie dem der Roboterentwicklung zu kommentieren, werde aber versuchen, kurz zu erklären, warum ich dennoch von der aktuellen Entwicklung fasziniert bin. Roboter als Fiktion Roboter verbinde ich seit meiner Jugend mit Science Fiction Literatur oder - etwas lebensnäher - mit den Schweissrobotern, die seit den 60er Jahren als Jobkiller bekannt und berüchtigt sind. Ein Roboter ist im Film oder in der Literatur eine humanoid aussehende Maschine, die meist in irgendeinen Konflikt mit den Asimovshen Robotgesetzen gerät.  Man lese die Kurzgeschichtenreihe Ich, der Robot von Asimov aus den fünfziger Jahren und man wird auf auch heute noch aktuelle Themen und Befürchtungen vor allem aus dem moralisch-ethischen Bereich stoßen. Wofür wurden und werden Roboter meist eingesetzt? Viele Jahre lang dachte man bei produktiv industriell eingesetzten Robotern an hocheffektive Maschinen zur Lösung eines Problems oder Ausführung einer Tätigkeit, die für Menschen zu gefährlich, zu schwer, zu monoton oder zu teuer war. Dabei war eine Interaktion zwischen Mensch und Roboter nicht nur nicht gewünscht, sondern meistens auch gar nicht möglich, da vom Roboter, der eine starr festgelegte Abfolge von Befehlen ohne Rücksicht auf  in der Nähe befindliche Objekte ausführt, eine erhebliche Gefahr bei Kollisionen ausgehen kann. "Intelligente" Roboter? Haushaltsnähere Roboter wie der selbständige Staubsauger oder Rasenmäher sind "dumme" Maschinen, weil sie nur für eine einzige Aufgabe konstruiert wurden; das gilt auch für selbstständig im Raum agierende "Servierroboter" oder "Auskunftsroboter", wie ich sie auch schon gesehen habe.
Human-Robot-Interaction
Seit einigen Jahren beschäftigen sich eine Reihe von Wissenschaftlern mit den Voraussetzung für die Konstruktion von Robotern, die gezielt für Human-Robot-Interaction, also der produktiven Kollaboration von Mensch und Roboter, konstruiert werden. Am DLR, der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, etwa, waren dies
Sami Haddadin, Alin Albu-Schaffer und Gerd Hirzinger, die viele theoretische und praktische Ansätze für die Entwicklung "sicherer" Roboter erarbeiteten.
Diese Grundlagen sind heute bereits in vielen Prototypen und schon produktiv eingesetzten Robotern aktiv. Dabei ist die Sensitivität und Reaktivität von Roboterarmen inzwischen kein absolutes Novum mehr, sondern Praxis in allen neuen Robotergenerationen der "kleinen" Klassen,welche für die Zusammenarbeit mit dem Menschen geeignet sind. Und nun FRANKA? Was also ist das Neue an diesem einen Roboter, der auf der Messe in Hannover dem Licht der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, und den netten Namen FRANKA EMIKA trägt? Revolution in de 1980ern: 8500 DM als Initialinvestition Schauen wir kurz einmal in die Vergangenheit. Als IBM seine erste PC-Generation 1981 noch ohne Festplatte auf dem europäischen Markt anbot, kostete diese Grundversion 8500 DM, nach heutiger Kaufkraft etwa 8900 €. Diese Maschine, bzw ihre technischen Nachfolger, wurden für IBM ein großer wirtschaftlicher Erfolg - aber nicht, weil sie in sich eine perfekte Lösung anbot. Den Erfolg schufen und garantierten erst die Softwareentwickler, die, ausgehend von kleinen Programmen zur Lösung von spezifischen Aufgaben, immer komplexere Anwendungen entwickelten. Eine Community von Programmierern, Systemingenieuren und Kreativen  entwickelte sich - und mit ihr ein immer größer werdender Pool von Bausteinen, mit denen man neue Problemlösungen angehen konnte. Es war nicht die Hardware allein, die dem PC zum Siegeszug verhalf, es war die schneeballartig wachsende Menge an Anwendungen, die jedem mit ihnen arbeitenden Mitarbeiter, jeder Firma und in der Folge jedem Einzelnen von uns das Leben erleichterte und deren Funktionen heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Schließlich hat ein Smartphone von heute  eine Rechenkapazität und einen Funktionsumfang, an den die Konstrukteure und Anwender der PC der 80er und 90er Jahre nicht mal denken konnten - und dennoch stellt die damalige klobige Hardware die Basis für die Entwicklung  aller modernen Alltagsgeräte dar. Und an diesem Grundgedanken setzen die Macher von FRANKA  EMIKA offensichtlich an: Auf der Basis eines in der Interaktion mit Menschen "sicheren" Roboters, der leicht programmierbar ist und "offen" für Ideen in der produktiven Anwendung ist, soll eine zweite Ebene angesprochen werden: Schaffe "SKILLS", Lösungsbausteine für spezifische Probleme in der Produktion, und setze sie selbst ein oder biete sie auf einer Plattform anderen zum Kauf an - ähnlich wie es der Apple Store oder der Play Store für Android darstellen. Unendliches Potential Wie ich am Anfang bereits sagte, bin ich kein Fachmann für robotics, auch kein technischer Entrepreneur  auf der Suche nach einer ultimativen Lösung für ein ungelöstes Produktionsproblem. Aber ich sehe  in diesem Konzept des flexiblen, leicht programmierbaren und beliebig reproduzierbaren Roboters eine riesige Marktchance. Ausbildungseinrichtungen werden begeistert sein von den Möglichkeiten, Schülern und Studenten die Prinzipien der robotics gefahrlos theoretisch und praktisch zu vermitteln; Firmen werden schnell erkennen, welche Ersparnisse zu erwarten sind, wenn sie einen einzigen Roboter für verschiedenste Situationen schnell und einfach neu programmieren können. Die Idee der Macher, in einem Video zu zeigen, wie ihr Roboter gleichsam sich selbst nachbaut, ist nicht nur witzig gemeint, sondern auch ein Symbol der in ihm schlummernden Möglichkeiten. Die Homepage zum Roboter findet der geneigte Leser hier: https://www.franka.de/

Professor Sami Haddadin stellt FRANKA auf der Messe vor

Der Einstiegspreis entspricht dem Kaufpreis der ersten PCs in den 1980ern