Jun 112016
 
73 km und 1221 Höhenmeter - soviele wie lange nicht mehr ... "Gondo lebt weiter"  lautet das Motto in jedem Zimmer dieses kleinen Hotels im Grenzort Gondo im Wallis,  wo ich meine "Notunterkunft" gefunden habe. Aber alles der Reihe nach. Der Plan war ja, wie gestern beschrieben, gemütlich die 30 km bis nach Domodassola zu fahren, und von dort die "offizielle" Passtour zu beginnen. "Leider" bin ich trotz Abfahrt um 9:30 bereits um 11:00 dort und sehe zwei Optionen: Mich den Rest des Tages in diesem uninteressanten Ort zu langweilen, oder weiter zu fahren. Es ist keine schwere Entscheidung. Spontan "befrage" ich also die Routenplanung in meinem Garmin und gebe als Zwischenzielort die Grenze zum Wallis, den Ort Gondo, ein. Die Route wird berechnet und scheint mir plausibel unter Vermeidung der vielbefahrenen Hauptstraße, der SS33. Also versorge ich mich noch mit Wasser und Energieriegeln und ziehe frohen Mutes gen Berg. Und es ist ein Berg! Nach einer Stunde strammer Steigung und vielen Schweißtropfen bei 30 Grad kommen mir die ersten Zweifel an der Routenführung. Die Straße ist einfach zu einsam und zu verkehrsarm, um wirklich auf den Pass zu führen. Und am nächsten Informationsschild halte ich an und sehe meine Befürchtungen bestätigt: ich bin in das Bognanco-Tal hineingefahren! Und die "Verbindung", die meine Route vorsieht, ist ein Bergwanderweg!!!!! Was für eine Enttäuschung. Nach einem kräftigen Fluch kommt mir die Einsicht, dass es besser ist, den steilen Rückweg konzentriert anzugehen und alles neu zu beginnen - eine Stunde, 20 Minten wieder zum Ausgangsort,  was ist das schon? Da bin ich aber froh, dass ich diesen Fehler nicht für jemand anderes mit verantworten muss!! Ich verlasse mich eigentlich nie auf die Routing-Funktion des Fahrrad-Navis (das habe ich wohl schon einmal geschrieben) sondern prüfe immer nochmal die Vorschläge von Komoot nach - was sich meistens auch bewährt hat. Nie wieder! Auf der SS33 lasse ich das Navi noch einmal einen Vorschlag machen, und da heißt es: bitte umkehren! Alles klar: die zugrunde liegende Karte kennt keine Tunnel oder Unterführungen. Bei jeder Einsenbahnunterführung und jedem Tunnel liegt für das Programm eine Unpassierbarkeit vor. Aber nicht bei einem Bergwanderpfad. Absurd und mit fatalen Folgen. Open-Street-Cycle-Map in dieser Version ist unbrauchbar bis lebensgefährlich!!!!! Nun liegt also die eigentliche Passstraße vor mir, eine zwei- bis vierspurige "Bundesstraße" mit recht geringem Verkehr aber einigen LKW. Bei Iselle de Trasquera - einem Bahnhof für Pendler nach Brig in der Schweiz - wird die Straße eng, die gelegentlichen LKW bleiben aber, das heißt, es wird für mich jetzt gefährlich und ich halte immer öfter an, um wieder zur Ruhe zu kommen. Ich merke, das wird heute nichts mehr mit dem Pass. Ich brauche dringend eine Unterkunft. In Varzo, direkt vor der Grenze, sehe ich ein Restaurant, in dem ich ein Menü esse aber leider keine Unterkunft bekomme. Ein Zimmer finde ich in Gondo - und zwar in einem preiswerten kleinen altmodischen Hotel mit einer wunderbaren, tragischen Geschichte: im Speisesaal hängt eine Fotographie von diesem Gebäude im Oktober 2000, mit einer  Schlammlawine links vom Gebäude, die nicht nur das Gebäude unmittelbar links mitgerissen hat, sondern auch 18 Todesfälle verursacht hat.   Diese Naturkatastrophe im Wallis hat sich zusammen mit Überschwemmungen und  Erdrutschen in jenem Oktober 2000 im kollektiven Schweizer Gedächtnis verankert. Dokumentation im Schweizer TV, Wikipedia-Eintrag Morgen geht es weiter zum Simplon-Pass hinauf und übermorgen-Abend bin ich hoffentlich am Genfer See ...
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 Posted by at 6:50 AM

  4 Responses to “33 – Mergozzo bis Gondo (Schweiz)”

  1. Ja, das sind wirklich steile Berghänge. Hoffe der Rest deiner Tour ist nicht mehr so abenteuerlich.
    Gute Fahrt weiterhin
    Susanne

  2. Wünsche viel Spass durch die Schweiz 🙂
    Beatrice und Markus Gerber

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