Jun 072016
 
Lago di Fimon nach Verona. 06.06.2016   Die beiden einzigen Campeure (zwei Holländer) außer mir schlafen noch, als ich eingepackt und gefrühstückt habe und mich auf den Weg nach Verona mache. Der Plan: Bis mittag in Verona ankommen, ein Bild vom Balkon von Julia machen und am Abend am Lago di Garda .... Nun, Pläne sind dazu da, umgeworfen zu werden. Der Weg führt mal wieder abseits der befahrenen Straßen, allerdings wiederum mit deutlich mehr Höhenmetern als erwartet durch Weinberge - na ja, eher "Weinhügel", vorbei an Villen, einige verfallen, andere teuer und stilvoll hergerichtet. An einer engen Straße versucht ein Bauer, seinen Trecker mit angehängtem Sprühwagen von der Straße auf den Feldweg zu ziehen. Er hält an, und beide erschrecken wir uns, weil in diesem Moment der linke Reifen des Anhängern mit einem lauten Knall und einer Staubwolke wie nach einem Kanonenschuss explodiert. Ich bin höchstens 2 Meter entfernt, und irgendetwas trifft mich an der Wange, aber glücklicherweise werde ich nicht verletzt. Der etwa 75-jährige Mann reisst vor Schreck die Arme hoch und fällt fast rückwärts um. Ich halte an und gemeinsam inspizieren wir den Schaden. Der Reifenmantel hatte sich offensichtlich vor dem Platzen des Schlauches bereits halb abgezogen beim rückwärtigen Rangieren. Nachdem wir uns gegenseitig versichert haben, dass alles soweit in Ordnung ist, fahre ich weiter und bin eine halbe Stunde später in Verona. Die Stadt ist wunderschön, und schnell wird mir klar, dass ich hier nicht einfach durchrasen kann. Der Campingplatz liegt oben auf einem Hügel bei beim Castel San Pietro inmitten eines Parkes mit Blick über die ganze Altstadt. Ein zu erwähnendes Highlight auf ungefähr halber Strecke ist die Weinbaustadt Soave - Weinkennern ein Begriff. Schon von Ferne sieht man auf einem Hügel eine mächtige Burg, deren Festungsmauer von hoch oben bis hinunter an die Hauptstraße zieht, und erst, wenn man direkt an der Mauer ist, merkt man, dass sich dahinter eine ganze Stadt befindet! Neugierig fahre ich hinein und fühle mich sofort wie im Mittelalter. 7000 Einwohner hat die Stadt und ist offensichtlich in der Lage, ihr Erbe gut zu bewahren! Leider ist es 12:15, als ich in Verona ankomme und Einlass ist erst ab 14:00. Also ziehe ich weiter zum Aussichtsturm an der Burg, genieße die Sicht und das dolce fa niente, zu dem mich der CP für zwei herrliche Stunden verurteilt hat, da es sich nicht lohnt, den hohen Berg für zwei Stunden hinunterzufahren. Ich will die Stadt erlaufen, ohne Gepäck und Rad. Und das lohnt sich. Blende ich die vielen Touristen aus, macht es Spaß, sich einfach durch die weiten und engen Gassen triben zu lassen, unweigerlich vorbeizukommen an den markanten Sehenswürdigkeiten dieser alten Stadt mit ihren vielen roten Dächern und noch viel mehr Charme. Das Wetter meint es gut mit uns allen - die Menge von jugendlichen Musikfans, die an der Arena, einem ehemailgen römischen Amphitheater Schlange "sitzen" um Tickets oder um Einlaß abzuwarten für ein Pop-Konzert einer mir unbekannten italienischen Band (Den Namen nenne ich lieber nicht, sonst falle ich bei einigen Leuten sofort durch 🙂 ) Bei der Gelegenheit: Das gesamte italienische Opernprogramm steht hier regelmäßig auf der Liste und die Akustik soll 1A mit * sein! Piazza Brà; die schönen Stadttore wie das Porta Borsari; der Piazza della Erbe; die Ponte Vietra, über die ich vom toll gelegenen Campingplatz in die Innenstadt marschiere, und so weiter... Bevor ich losgezogen bin, habe ich Bekanntschaft mit einem Paar aus Neu Seeland gemacht, Jack und Susan, Radler, die zum wiederholten Male gemeinsam Europa erradeln. Wir treffen uns am Abend wieder auf dem CP und zusammen geniessen wir dann nette Gespräche bei Rotwein und Käse, welchen ich vorsichtshalber in einem Supermarkt gekauft hatte - nach den Vorerfahrungen von Venedig. Von den vielen Geschichten, die wir austauschen fand ich eine recht bemerkenswert: Jack und Susan (heute ca. 60) sind ursprünglich zu Lehrern ausgebildet worden, aber wegen des "Seniority-Prinzips" nie fest angestellt worden, was sie heute nicht bedauern - ganz im Gegenteil. Sie erwarben einen größeren Campingplatz in Neu Seeland nach dem Franchising-Prinzip und haben diesen vor einigen Jahren verkauft und genießen ihren Ruhestand. Als Campingplatzmanager teilen sie mir zwei Beobachtungen mit: In Neu Seeland ist die europäische Kundschaft weniger und die asiatische mehr geworden. Europäische Kunden sind ihrer Aussage nach offen, kommunikativ, klar struktiert und berechenbar gewesen. Die einzige "klare Struktur", die sie den asiatischen Gästen nachsagen, ist die, dass die (eigenen) Reiseleiter ihre Kunden nach Strich und Faden ausnehmen. So erheben sie zum Beispiel bei Besichtigungen mit dem Bus einen Extra "Besichtigungszoll" für besonders schöne Landschaften oder Orte, die natürlich in ihre eigene Tasche gehen; Asiatische Kunden seien aggressiv und sehr fordernd, würden zwei Personen anmelden aber mit sechs anreisen, sie verstehen dann kein Englisch ..... Kulturkonflikte "ohne Ende" würde man wohl sagen .... Eine Einladung nach Neu Seeland habe ich auch bekommen - mit meiner Frau natürlich, wir könnten bei ihnen über nachten "as long as you like" - was auch immer das bedeutet. Zurück nach Italien ...
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