Mai 222016
 
20.05.2016  English language version below Der Tag beginnt so wie der Gestrige aufgehört hat: Nass und kalt. Die Wettervorhersage für heute sagt sogar Schneefall bis in die Niederungen voraus. brrrr. Die Verärgerung, mit der ich gestern Abend nach dem Trocknerchaos schlafen ging, hat sich zwar gelegt, aber ich habe doch meine Zweifel, ob die Wäsche heute morgen trocken sein würde. Ist sie natürlich nicht - und ich trage nur meine Reserveradhose und die Plastikregenhose zum Wärmen bei 7 - 8 Grad. Ich traue mich nicht einmal zu duschen ... Also alles einpacken und aufmachen zu einem Waschsalon. Mir kommt interessanterweise bereits auf dem Parkplatz der Elektriker entgegen, der wohl den defekten Trockner reparieren soll, da hat der Besitzer aber schnell reagiert. In der Passauer Innenstadt wird das Leben dann Schritt für Schritt wieder schön: Das Donauufer mit seinen Kreuzfahrtschiffen voller Amerikaner liegt noch in frühmorgendlicher Stille, aber der Regen hört auf. Juhuu. Die Fahrt in die langsam erwachende Innenstadt wird mit einem Dank googlemaps gefundenen Waschsalon belohnt - dieser befindet sich im Vorraum eines ehemaligen Kinos, unschwer am Kassenhäuschen zu erkennen. Der Besitzer hat auf jede Maschinentür einen anderen Filmtitel geschrieben und einige Kinomemorabilia zur Ausstattung hinzugefügt. Mein Trockner hat ausgerechnet den Titel "Harry Potter" - "Dirty Harry" wäre angemessener 🙂 Eine Stunde habe ich nun Zeit für ein Frühstück. Die obligatorische Steckdose finde ich ausgerechnet im kleinsten Café, da wird erstmal die weitere Route am Inn entlang geplant. Es wird quer durch Bayern bis nach Innsbruck gehen. Mein Plan, über die Großglocknerstraße zu klettern, wird wegen des kalten Wetters wohl nicht aufgehen. Es fällt dort Schnee bei Höchsttemperaturen zwischen Null und 2 Grad.    Aber Brenner und Jaufenpass sind ja auch nicht zu verachten. Mal sehen. Nach dem Frühstück bringe ich überflüssige Landkarten und Souvenirs zur Post, kaufe mir zwei Paar Socken, hole die trockene Wäsche ab und setze mich auf eine Bank am Inn und sehe dem Treiben am Ufer ganz entspannt zu. Ich höre English in drei Sprachfärbungen, Italienisch, zwei bis drei slawische Sprachen und Arabisch. Wobei Letzteres ganz offensichtlich in Passau untergebrachte Flüchtlinge sind. Das Rad schließe ich am Touristenbüro ab und mache mich auf einen Rundgang durch die Passauer Altstadt, wobei mir die vielen blitzblank renovieren Gäßchen und Geschäfte gefallen. Ich habe ein "touristischeres" Ambiente erwartet, aber dem ist nicht so; vielleicht der Uhrzeit geschuldet, sehe ich erstaunlich viele Einheimische ... dann komme ich durch die enge Corbergasse und sehe ein interessantes Graffiti: RUD_Vimperk_Passau_44_von_58.jpg Gegen 11:30 ist der Domvorplatz bereits gut gefüllt und an menschenleere Fotos von diesem grandiosen Bauwerk ist nicht mehr zu denken. Im Innenhof entdecke ich zufällig eine Ankündigung eines Orgelkonzertes (Halbe Stunde für 4 €) Der riesige Innenraum des Domes ist gut gefüllt und ich setze mich vor zwei amerikanische Besucher. Ich höre, wie der ältere Herr zu seiner Gattin raunt, "Please wake me if I fall asleep." RUD_Vimperk_Passau_58_von_58.jpg Hinterher sind beide aber genauso begeistert wie ich. Solch eine Klangvielfalt habe ich noch nie in einer Orgel gehört. 5 eigenständige Orgeln, die im Laufe der Zeit zu einem großen Instrument zusammengefasst wurden. Fast 20000 Orgelpfeifen mit 229 Registern machen sie zur weltgrößten Domorgel überhaupt. Das abwechslungsreiche Konzert mit Werken von J.S. Bach, J.L. Krebs und Max Reger ist einfach nur bombastisch. Der Organist, ein Ludwig Ruckdeschel, fügt noch eine eigene Improvisation hinzu, mit der er unglaubliche Klangfarben aus diesem wunderbaren Instrument herausholt. Wieder unter freiem Himmel, der immer heller und freundlicher wird, treffe ich Marek, der in der Fußgängerzone sehr schöne Aquarelle anbietet. Ansichten von München die, wie er mir erzählt, hier niemanden interessieren, aber auch von Budapest, Prag, Innsbruck, London und Paris (welche auch niemanden interessieren) und überhaupt sei dies hier ja eine einzige Enttäuschung aus seiner Sicht. Er ist in Budapest ausgebildeter Bildhauer und Maler - als Beleg zeigt er mir sogar seinen Künstlerausweis mit Diplom. RUD__Passau_30_von_41.jpg Marek meint noch, in Hamburg und überhaupt im Norden wie Rostock etwa, seien die Menschen viel freundlicher zu ihm gewesen als hier im Süden. Na ja, der Sommer kommt ja erst noch. Er plant nun, seine Zelte abzubrechen und Richtung Süden weiterzufahren, genauer weiss er es noch nicht. Am liebsten würde ich mich ihm bei der derzeitigen Wetterlage frohen Herzens anschließen ... Später sitze ich noch einmal entspannt auf einer Bank, denke über das bevorstehende Treffen mit Susanne nach - da erschrecke ich von einem unglaublich lauten Knall, gefolgt von 8 weiteren. Ein Hundebesitzer versucht, seinen Rottweiler-Mischling an dem Geschehen vorbeizuziehen, aber der Hund ist genauso verschreckt wie ich! Eine Reihe von bajuwarisch verkleideten Schützen wartet auf den Befehl zum Nachladen ihrer Salutgewehre. Ich hatte die  jankerbekleidete Trachtengruppe vorher gesehen, alleine,  mir war nicht klargewesen, dass es sich hier um eine Gruppe von Salutschützen handelt. Passau is definitely worth a trip - even with adverse weather conditions. I found a laundry - which has been set up in an old cinema - and had my clothes dried and then walked the city of three rivers, the Danube, the Inn and the Ilz. Te campground I stayed at has been completely flooded several times, last 2013. See flooding lines here, the top mark is from 1501, the second from top is 2013 - truly catastrophical. 
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Flood marks on the town hall

First things first, I thought, so I bought two pairs of socks, sent off a package with surplus maps, turned off the rain :), found a bench and relaxed to watch life go by. Everything is going to be fine, I told myself, you will manage to at least reach Venice even if the Alps are still (or again) snowy. After locking up the bike I rambled through the Old Town on the lookout for nice sights. Too many tourists blocked a clear view of St. Stephen's Cathedral - after all it was 10:30 by now - but when I reached the inner court of the cathedral I learned that there would be a concert at 12 on this second largest church organ in the world only to that of the First Congregational Church in LA. Five seperate organs were joined in the 1930s to form an incredible instrument with almost 18000 pipes and 233 registers.  I sat in front of two American tourists who were on a boat cruise on the Danube - a desirable pastime I had even heard of in Minnesota last year .... :). Well, I overheard the gentleman saying to his wife, "Please wake me dear, should I fall asleep". Well, in the end both were just as enthusiastic and full of joy as I was. The program was very varied with works  by J.S. Bach, J.L. Krebs and Max Reger. The organ player, Ludwig Ruckdeschel, added a great improvisation of his own to illustrate the unbelievable sound qualities of this truly fascinating instrument. Outside I was greeted by sunshine and continued my stroll through the city. I met Marek, a polish artist selling  fine watercolors. I admired them and we got into talking. He has studied sculpture and painting in Budapest, even showed me his diploma document. He was disappointed, he said, of people's lack of interest for his paintings here in Passau. His paintings illustrate the many places he has worked in: London, Paris, Munich, Amsterdam, Warsaw ...  Two hours later he would pack everything into his old car and drive south with unclear destination.  I actually missed out on another major tourist attractions of Passau: The town is dominated by the Veste Oberhaus and the former fortress of the Bishop, on the mountain crest between the Danube and the Ilz rivers. But that will have to wait until some other visit, preferably with my wife ..... From Passau there are two alternative bike paths, both well signed and popular: Going along the Danube to Vienna in a south-easterly direction or south west towards Innsbruck along the river Inn. I'll take that one and come close to Munich, were I will be meeting up with my wife and my son for a couple of days.         
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 Posted by at 9:01 AM

  2 Responses to “16 – Layover in Passau”

  1. Dann wird es ja mal höchste Zeit, dass das Wetter besser wird!!?

    • Das Wetter wird erst ab Mittwoch besser …
      „Flüchte“ in ein Hotel in Wasserburg am Inn. Der Wettergott meint es nicht besonders gut mit mir …. Drückt ein wenig auf die Laune.

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